T9-Worterkennung

Seit die SMS erfunden war, wurde immer wieder nach Möglichkeiten gesucht, die Texteingabe bei Mobiltelefonen zu erleichtern. Auf dem Handy stehen ja nur 10 Zifferntasten zur Verfügung, auf die die 26 Buchstaben des Alphabets und allfällige Sonderzeichen der einzelnen Sprachen verteilt werden mussten. Das bedeutet allerdings bei der Texteingabe eine Menge Tastendrucke: So muss, um den Buchstaben „z“ zu erzeugen, die Taste „9“ bereits viermal gedrückt werden, für ein „zz“ sind schon acht Tastendrucke und eine kurze Wartezeit zwischen den beiden Buchstaben nötig.

T9 als Abhilfe – und Standardsystem für Handys

Das 1997 patentierte und in Amerika von Tegic Communications Inc. auf den Markt gebrachte System T9-Worterkennung (Text on 9 Keys), das mit 1999 auch auf dem deutschen Markt erhältlich war, schaffte eine wesentliche Verbesserung, und hat sich beim Handy mit Zifferntasten durchgesetzt. Ein Smartphone, das ja über eine virtuelle QWERTZ-Tastatur verfügt, benötigt T9 heute nicht mehr, obwohl es bei vielen Geräten als Tastatur-Option virtuell zur Verfügung steht. Technologien, die versuchen, die Texteingabe auf dem Smartphone zu beschleunigen, gehen aber heute einen ähnlichen Weg, wie ihn damals die T9-Worterkennung beschritten hat: Textvorhersage anhand eines integrierten Wörterbuchs.

Das Wörterbuch als Schlüsselfaktor

Wird die T9-Worterkennung auf dem Handy aktiviert, braucht keine Taste mehr mehrfach, sondern lediglich einmal für jeden Buchstaben gedrückt zu werden. Die T9-Worterkennung gleicht dann die Eingabe mit den im internen Wörterbuch gespeicherten Wörtern ab, und filtert das Wort – oder gegebenenfalls die Wörter – zu denen die gedrückte Ziffernkombination passt, heraus und stellt sie im Display dar. Gespeichert sind dabei nur Wörter, sondern auch Wortteile wie Vor- oder Nachsilben, um den Wortschatz möglichst umfangreich zu machen. Nicht im Wörterbuch befindliche Wörter müssen entweder auf klassischem Weg durch Ausschalten der Worterkennung oder durch Zusammensetzen aus den gespeicherten Wortteilen geschrieben werden.

Nachteile des Systems

Durch den geringen Umfang des Wörterbuchs, das nur die am häufigsten vorkommenden Wörter einer Sprache enthält, ergeben sich nicht selten Probleme: Eigennamen, Dialektausdrücke oder Begriffe müssen umständlich auf traditionellem Weg eingegeben werden, oder noch umständlicher buchstabenweise eingegeben werden, was viele Tastendrucke erfordert. Darüber hinaus muss sehr häufig bei – vor allem kurzen – Wörtern mit gleichlautender Zifferncodierung mittels Stern-Taste eine Auswahl getroffen werden. Besonders nachteilig wirkt sich die T9-Worterkennung in Ländern wie der Schweiz oder Österreich aus, wo SMS und MMS überwiegend im Dialekt geschrieben werden. Hier ist T9 für SMS und MMS praktisch nutzlos, kann aber zumindest bei anderen Anwendungen noch nutzbringend sein.

Worterkennung bleibt aber auch weiterhin wichtig

Auch beim modernen Smartphone mit virtueller QWERTZ-Tastatur versucht man heute, mittels Worterkennung die Texteingabe zu vereinfachen – ein System, das nach einem sehr ähnlichen Prinzip wie die T9-Worterkennung arbeitet, ist beispielsweise SWYPE.